20. Ist ABS billiger als Factoring?
Bis vor Eintreten der subprime-Krise im Juli 2007 wurde ABS als ein wahres Wundermittel für den deutschen Mittelstand gepriesen. ABS oder asset backed securities stellt eine besondere Art der Forderungsverbriefung dar, bei der (vereinfacht) Forderungen (asset) an eine Objektgesellschaft verkauft werden (backed) und anschließend am Kapitalmarkt (über securities) refinanziert werden. ABS stellt in der (US-) Immobilienfinanzierung und in der Kreditkartenfinanzierung ein überaus wichtiges Instrument dar. Durch das poolen von Forderungen sollte auch der Mittelstand in den Genuss von attraktiven Konditionen gelangen. In den einschlägigen Marketingaussagen der ABS-Anbieter sind allerdings durchaus Fehler in der Darstellung der Kosten. Im Factoring entstehen Kosten durch die Factoring Gebühr, durch den Factoring Zins und durch Debitoren Prüfgebühren. Im ABL (siehe auch ABL, Frage xx) sind die Kosten noch transparenter: Typischerweise wird ein all-in Zinssatz vereinbart, der ähnlich einem Kontokorrentzins auf die Nettoliquidität erhoben wird und an einen Referenzzins gekoppelt ist (z.B. 3M-Euribor + 170 Basispunkte). Im ABS wird meist von einem Zinssatz gesprochen, der auf die Nettoliquidität erhoben wird. Zusätzlich zu diesem Zinssatz fallen aber (häufig) weitere Kosten an, z.B. für Einführungsgebühren, Gründungskosten Objektgesellschaft, arranger fees, Verwaltungskosten Objektgesellschaft, Kosten für WPs, Kosten für trustee, Warenkreditversicherung, Refinanzierung first-loss, Refinanzierung Kreditversicherung, etc.
Fazit: ABS ist nicht billiger oder teurer als Factoring oder ABL. In einer Vergleichsrechnung, die alle Kosten erfasst, sind kaum Unterschiede zu erkennen. Aufgrund des wesentlich einfacheren Handlings empfiehlt sich eine vielleicht schnöde aber effiziente ABL- oder Factoringlösung.