11. Was ist der Unterschied zwischen einem offenen und stillen Factoring?
In einem offenen Factoring wird der Forderungsverkauf dem Kunden angezeigt. Alle bestehenden Kunden werden einmalig auf das Factoring hingewiesen durch ein sog. Notifikationsschreiben. Darüber hinaus muss jede Rechnung den Hinweis tragen, dass „mit schuldbefreiender Wirkung nur an den Factor zu bezahlen ist“.
In der Vergangenheit haben viele mittelständische Unternehmen diesen Hinweis gescheut, der im stillen Verfahren nicht notwendig ist. In den letzten Jahren hat sich diese Angst sehr stark reduziert, da sich Factoring zwischenzeitlich als gängige Finanzierungsform etabliert hat und in den meisten Buchhaltungen lediglich die Änderung einer Bankverbindung bedeutet. Vergleichbar ist diese Entwicklung mit der Finanzierungsform Leasing. In den 80er und 90er war es durchaus anrüchig ein schönes Auto zu leasen, heute kann es durchaus anrüchig sein, sein Auto mit Bargeld zu bezahlen!
Legitimiert wird das stille Factoring durch den neu geschaffenen §354a HGB, der Forderungsverkäufe trotz Abtretungsverbote und fehlender Offenlegung als rechtens sieht.
Gleichwohl stellen Factoring Anbieter für ein stilles Factoring höhere Anforderungen an den Factoring Kunden. Die meisten Factoring Banken gehen von einem Umsatz von mehr als 10M€ und einem CR-Index von besser als 300 aus.
Angenehmer Nebeneffekt des offenen Factoring ist, dass die Kondition meist etwas günstiger sind.